Aufgrund der großen Resonanz und des positiven Feedbacks der Teilnehmenden wurde das erfolgreiche Theaterprojekt „Pioniergeist auf der Bühne“ in diesem Jahr fortgesetzt – mit kleinen inhaltlichen Erweiterungen und einem noch stärkeren Fokus auf Vielfalt und kulturellen Austausch.
Gerade für ältere Russlanddeutsche, die häufig von Einsamkeit betroffen sind, fehlt es an kultursensiblen Angeboten, die ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Das Theaterprojekt bietet hier eine einzigartige Plattform: Es stärkt soziale Bindungen, fördert den kreativen Ausdruck und vermittelt zugleich historische und kulturelle Themen, die für das kollektive Gedächtnis der Russlanddeutschen von zentraler Bedeutung sind.
Ein besonderer thematischer Schwerpunkt der zweiten Projektauflage lag auf der Geschichte der Russlanddeutschen – insbesondere auf der Zeit der Kommandantur und der Deportationen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben diese Zeit selbst erlebt und verarbeiten ihre Erinnerungen nun in Form von selbstverfassten Gedichten und szenischen Darstellungen. Das Theater wird dabei zur Ausdrucksform des persönlichen wie kollektiven Erinnerns.
Höhepunkt der aktuellen Projektphase war der Auftritt der Seniorentheatergruppe am 24. Juni 2025 beim großen Internationalen Seniorenfest des VMDO e.V.. Die multikulturelle Veranstaltung brachte Migrantinnen und Migranten aus unterschiedlichen Herkunftsländern sowie Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Dortmund zusammen. Das Publikum zeigte sich sichtlich bewegt von den Darbietungen der Gruppe, in denen zentrale Fragen wie „Wo ist die Heimat?“ und „Wann kehre ich zurück?“ thematisiert wurden – inspiriert durch die Zeilen eines alten russlanddeutschen Liedes.
Durch die künstlerische Aufarbeitung historischer Ereignisse, wie der Deportation der Deutschen aus der Sowjetunion, wurde ein oftmals unbekanntes Kapitel der Geschichte sichtbar gemacht – nicht nur für Russlanddeutsche, sondern auch für russische und ukrainische Migrantinnen und Migranten im Seniorenalter, die im Projekt gemeinsam zusammenfinden. Der Austausch untereinander fördert gegenseitiges Verständnis, baut Vorurteile ab und stärkt das interkulturelle Miteinander.
Das Projekt „Pioniergeist auf der Bühne“ ist damit weit mehr als ein Theaterkurs – es ist ein Raum für Erinnerung, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe. Die hohe Nachfrage und der Wunsch nach Fortsetzung zeigen: Die Bühne gehört allen Generationen – und jede Geschichte verdient es, erzählt zu werden.
Das Projekt wurde aus Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.